Einführungstexte zu Vorurteilen

Einstiegstexte zu Vorurteilen
Ablehnung von Geflüchteten

Von der Willkommens– zur Verabschiedungskultur

Als die neuere Flüchtlingsmigration nach Deutschland im Frühherbst 2015 ihren bisherigen Höhepunkt erreichte, zeichnete sich zunächst eine Welle der Solidarität ab. Geflüchtete wurden mit offenen Armen empfangen und an zahlreichen Orten entstanden in mitunter kürzester Zeit Hilfe- und Unterstützungsstrukturen. Doch schon wenig später kippte die Stimmung und die anfängliche Willkommenskultur wich zunehmend einer Verabschiedungskultur.[1]

Seitdem dreht sich der öffentliche Diskurs vor allem um die Frage, welche Fluchtgründe legitim seien und welche nicht. Nicht ausschließlich, aber insbesondere von der rechten Seite des politischen Spektrums wird zugespitzt, polemisiert und teilweise auch gelogen. Vielen Geflüchteten werden rechtmäßige Fluchtgründe abgesprochen, obendrein werden Vorurteile gegen sie geschürt.

 

Geflüchtete als Wohlstandsgefährder_innen

Neben platten rassistischen und antimuslimischen Hetzereien sind es vor allem wohlstandschauvinistische Ansichten, mit denen gegen Geflüchtete Stimmung gemacht wird. Ihnen wird pauschal unterstellt, sie kämen nur nach Deutschland, um in die hiesigen Sozialsysteme einzuwandern, weshalb sie den bundesrepublikanischen Wohlstand gefährdeten. Dieser Wohlstandschauvinismus, so hat Mathias Brodkorb herausgearbeitet, steht „im Zentrum des öffentlichen rechten Diskurses“, da er „die wichtigste Schnittstelle zum Alltagsdenken der Bevölkerung“ darstellt.[2]

Eine solche Sichtweise – und damit die Empfänglichkeit für rechte Einstellungen – findet vor allem dann Anklang, wenn die Hintergründe von Flucht und Asyl weitestgehend unbekannt sind und die Verflechtungen einer globalisierten Welt unterschätzt werden. Fragt man also nach den Gründen für die Abwertung von Geflüchteten, so sind diese vornehmlich in fehlendem Wissen bzw. falschen Annahmen bezüglich der Hintergründe von Fluchtbewegungen zu suchen.

 

Flüchtlingsmigration als bestimmendes Thema der öffentlichen Debatte

Zunächst ist festzustellen, dass in den letzten Jahren kein Thema die öffentliche und auch politische Debatte derart stark bestimmt hat wie die Flüchtlingsmigration nach Europa. Der Fokus lag dabei stets auf der zahlenmäßigen Zuwanderung nach Europa bzw. nach Deutschland sowie auf deren (befürchteten) Auswirkungen. Dabei verfügen nur wenige der Flüchtenden über die finanziellen und körperlichen Voraussetzungen, um überhaupt den langen und gefährlichen Weg nach Europa einzuschlagen, welcher angesichts der verstärkten europäischen Grenzsicherung und der eingeschränkten Seenotrettung für immer mehr von ihnen tödlich endet.[3] Die allermeisten der zur Flucht gezwungenen Menschen fliehen innerhalb des eigenen Landes oder in angrenzende Nachbarländer. Rund 85 Prozent der 2017 weltweit erfassten Flüchtlinge lebten in Entwicklungsländern, in den Ländern der Europäischen Union hingegen nicht einmal fünf Prozent.[4]

 

Kriege und Konflikte haben weltweit zugenommen

Bei der Antwort auf die Frage, warum immer mehr Menschen zur Flucht gezwungen sind, werden vor allem die weltweit zunehmenden Kriege und Konflikte hervorgehoben – Syrien, Irak, Afghanistan und die Ukraine sind sicherlich die bekanntesten Beispiele. Weniger beachtet werden hingegen die ebenfalls aktuellen Konflikte in der Demokratischen Republik Kongo, im Südsudan, in Pakistan, in der Zentralafrikanischen Republik, in Nigeria, Myanmar, Mali, Jemen, Libyen, Burundi, der Elfenbeinküste und in Kirgisistan.[5]

 

Vor allem Armut und Naturzerstörung zwingen immer mehr Menschen zur Flucht

Während die Kriegsflüchtlinge aus den oben genannten Ländern in den Aufnahmegesellschaften weitestgehend auf Akzeptanz stoßen, werden die Elendsflüchtlinge aus Ländern West-, Zentral- und Ostafrikas, die europäische Staaten um Asyl ersuchen, als sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge diskreditiert. Dabei sind es vor allem diese Menschen, die zunehmend zur Flucht gezwungen sind und für deren Fluchtgründe die westlichen Staaten eine Mitverantwortung tragen.

Diese Herkunftsländer sind ehemalige Kolonien europäischer Staaten, die sich nach dem Rückzug der Kolonialstaaten im 20. Jahrhundert nie von den Auswirkungen der Kolonialisierung erholen konnten und bis heute verarmt sowie politisch instabil sind. Folglich nehmen sie im Index der menschlichen Entwicklung die hintersten Plätze ein.

Zudem ist das Verhältnis zwischen den Industriestaaten und den Staaten der „Dritten Welt heute durch eine neue Form des Kolonialismus geprägt. So sichern sich die reichen Staaten die Kontrolle über die Bodenschätze sowie die Finanz- und Warenmärkte der armen Länder. Die Folgen sind die weitere Verarmung der Bevölkerung, das Fortbestehen sowie die Zunahme politischer Instabilität und Konflikte sowie eine rasant fortschreitende Umweltzerstörung. Infolgedessen verschlechtern sich die Lebensbedingungen der Menschen in diesen Ländern weiter und sie sind gezwungen, zu fliehen. Die neueren Fluchtbewegungen sind demnach eine unmittelbare Folge unserer „Externalisierungsgesellschaft“, die, so Stephan Lessenich, „die negativen Effekte ihres Handelns auf Länder und Menschen in ärmeren, weniger entwickelte[n] Weltregionen aus[lagert]“.[6]

 

Flucht geht uns alle an

Diese Erkenntnisse verdeutlichen, dass es unser Lebensstil ist, der Fluchtgründe verschärft; denn „[w]ir leben nicht über unsere Verhältnisse – wir leben über die Verhältnisse anderer“, weshalb folglich „[j]eder von uns ein verantwortlicher Akteur in diesem Nullsummenspiel [ist], dessen Verlierer jetzt an unsere Türen klopfen“.[7]

In Anbetracht dieser Erkenntnisse erscheinen etwaige wohlstandschauvinistische Ansichten regelrecht absurd; sind wir es doch, die auf Kosten anderer Menschen leben – und nicht etwa umgekehrt.

Unabhängig davon haben wir uns als Europäer_innen zu Werten verpflichtet, die das Bekenntnis zu Menschenrechten, zu Solidarität und Unterstützung sowie zu Respekt gegenüber menschlichem Leben beinhalten.[8] Das alleine sollte genügen, um als Europäer_in solidarisch mit Geflüchteten zu sein.

Auch sollten wir nicht außer Acht lassen, dass wir schneller, als wir denken, selbst zu Geflüchteten werden können, wie das Beispiel Fukushima zeigt. Als sich dort, im hochentwickelten Japan, 2011 eine Nuklearkatastrophe ereignete, mussten urplötzlich 150.000 Menschen ihre Heimat verlassen.[9]

Nicht zuletzt ist die Frage, wie wir mit Geflüchteten umgehen, zugleich die Frage danach, in was für einer Welt wir leben wollen: in einer solidarischen, in der sich Menschen gleich welcher Herkunft gegenseitig unterstützen, oder in einer egozentrischen, in der alle vorrangig ihre eigenen Interessen verfolgen?

Alexander Dexbach

Quellen

[1] Vgl. Welzer, Harald: Wir sind die Mehrheit. Für eine offene Gesellschaft, Frankfurt am Main 2017, S. 40 ff.

[2] Brodkorb, Mathias: Metamorphosen von rechts. Eine Einführung in Strategie und Ideologie des modernen Rechtsextremismus, Münster 2003, S. 152.

[3] Siehe o.V.: Die hingenommenen Toten: Jedes Jahr sterben Tausende auf der Flucht, in: proasyl.de, 27.02.2018, URL: https://www.proasyl.de/news/die-hingenommenen-toten-jedes-jahr-sterben-tausende-auf-der-flucht/ [eingesehen am 17.01.2019].

[4] Vgl. United Nations High Commissioner for Refugees: Mid-Year Trends 2015, Schweiz 2015.

[5] Vgl. ebd.

[6] Lessenich, Stephan: Neben uns die Sintflut: Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis, München 2018, S. 24.

[7] Ebd., S. 5.

[8] Vgl. o.V.: Die Europäische Union als Wertegemeinschaft, in: Europa und Ich, URL: https://esf.rlp.de/europa-und-ich/werte/die-europaeische-union-als-wertegemeinschaft.html [eingesehen am 23.01.2019].

[9] Vgl. o.V.: „Ihr könnt dort nicht mehr leben“, in: Spiegel Online, 03.11.2013, URL: https://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/fukushima-gebiet-um-kraftwerk-wird-ewig-unbewohnbar-bleiben-a-931482.html [eingesehen am 23.01.2019].

 

Kontakt:

Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt e.V.

Bernburgerstr. 25a

06108 Halle

Tel.: 0345 / 47008720

anja.treichel@lamsa.de

alexander.dexbach@lamsa.de

www.Lamsa.de

Antisemitismus

Was ist Antisemitismus?

Antisemitismus ist ein Phänomen, das vermeintliche Erklärungen für reale oder fiktive Probleme der Menschheit liefert. Dabei wird die Schuld für diese Probleme „den Juden“ zugeschoben. Jüdinnen und Juden oder Menschen und Dinge, die als jüdisch wahrgenommen werden, stellen deswegen für antisemitisch denkende Menschen eine Bedrohung dar. Dies kann konkret zu Hass und Gewalt gegen Jüdinnen und Juden oder als jüdisch wahrgenommene Menschen und Dinge führen. Antisemitische Einstellungen sind häufig, aber nicht ausschließlich, Teil einer rechtsextremen Ideologie.

Heutzutage gibt es staatliche und nicht-staatliche Initiativen und Bestrebungen, Antisemitismus zu bekämpfen, damit jüdisches Leben in Deutschland ohne Angst vor Gewalt und Ausgrenzung existieren kann.

Der Begriff „Antisemit“ geht auf den deutschen Journalisten Wilhelm Marr zurück, der ihn im 19. Jahrhundert als positiv gemeinte Selbstzuschreibung für sich und Gleichgesinnte eingeführt und die Ablehnung des Judentums somit zur wünschenswerten Einstellung erklärt hat. Das gleiche Muster kann man auch bei heutigen Nazis beobachten; bei ihnen lautet eine Parole: „Wer Deutschland liebt, ist Antisemit.“[1] Der Begriff an sich ist nicht ganz eindeutig. Er bezieht sich dem Wortstamm nach auf die Sprachfamilie des Semitischen – dazu gehört neben dem Hebräischen und dem Arabischen beispielsweise auch das Maltesische. Faktisch geht es beim Antisemitismus aber immer um Jüdinnen und Juden.

Am 20. September 2017 entschied die Bundesregierung, die Arbeitsdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance – IHRA (Internationale Allianz zum Holocaustgedenken) anzunehmen. Die Kurzfassung lautet:

„Antisemitismus ist eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die sich als Hass gegenüber Juden ausdrücken kann. Der Antisemitismus richtet sich in Wort oder Tat gegen jüdische oder nicht-jüdische Einzelpersonen und/oder deren Eigentum, sowie gegen jüdische Gemeindeinstitutionen oder religiöse Einrichtungen.“[2]

Antisemitismus damals und heute

Antisemitismus ist kein neues Phänomen, sondern war bereits im Mittelalter in Europa verbreitet und wurde seitdem immer wieder verändert und an aktuelle Entwicklungen angepasst. Im christlich-religiös motivierten Antijudaismus wurde Jüdinnen und Juden vorgeworfen, Jesus Christus getötet zu haben. Vor allem im späten Mittelalter hatte dies viel Gewalt gegenüber Anhänger_innen des jüdischen Glaubens zur Folge. Damals hatten Jüdinnen und Juden oftmals noch die Möglichkeit, sich ihrer Verfolgung durch einen Übertritt zum Christentum zu entziehen. Häufig konvertierten sie aber nicht freiwillig, sondern wurden dazu gezwungen. Mit dem Aufkommen des sogenannten Rassenantisemitismus im 19. Jahrhundert ging ihnen aber selbst diese Möglichkeit verloren. Zugehörigkeit zum Judentum war von da an als Rasse und nicht mehr als Glaube definiert. Für die Menschen bedeutete dies, in ihrer jüdischen Identität festgehalten zu sein. Durch diese Umdeutung der Religion des Judentums zur Rasse wurde der Holocaust von den Nationalsozialisten (1933–45) gerechtfertigt.

Der heutige Antisemitismus greift mitunter auf Bilder des alten Antijudaismus und des Rassenantisemitismus zurück, hat sich aber von seinen religiösen Wurzeln weitestgehend gelöst. Zentral für diese aktuelle Form sind Verschwörungsfantasien. Diese Fantasien beschuldigen Jüdinnen und Juden, sich im Geheimen verschworen zu haben, um die Welt zu beherrschen.

Mit der Gründung Israels 1948 – wo Jüdinnen und Juden nach der NS-Zeit eine Heimstatt fanden, in der ein selbstbestimmtes Leben ohne die Bedrohung durch Antisemit_innen im selben Staat möglich wurde – kam ein israelbezogener Antisemitismus auf. Vermeintliche „Kritik“ am Staat Israel wird im israelbezogenen Antisemitismus oft als Deckmantel für antisemitische Vorurteile benutzt (siehe unten, 3D-Test).

 

Wie viel Antisemitismus gibt es?

Antisemitismus wird heute in Deutschland weit weniger offen gezeigt als früher. Sich allzu offensichtlich antisemitisch zu äußern, ist heute gesellschaftlich glücklicherweise weitestgehend geächtet. Gleichwohl zeigen neuere Erhebungen[3], dass antisemitische Handlungen gegenwärtig zwar nicht unbedingt häufiger auftreten, aber schamloser und ungehemmter ausgeführt werden. Dies betrifft sowohl Pöbeleien und Angriffe auf der Straße als auch antisemitische Hassreden in den virtuellen Welten des Internets. Deutsche Jüdinnen und Juden empfinden die Situation in Deutschland zusehends als unsicher. Darüber hinaus begegnet uns Antisemitismus heute versteckt in Codes oder indirekt über Umwege, beispielsweise in Kritik am Staat Israel.

Antisemitische Einstellungen finden sich zudem nicht nur am ganz rechten Rand des politischen Spektrums. Studien zeigen ausnahmslos, dass Antisemitismus überall vorkommt: in allen politischen Lagern und gesellschaftlichen Schichten; unter Menschen ohne Religion ebenso wie unter Religiösen.[4] Antisemitische Denkweisen sind also keineswegs verschwunden; auch gibt es kein antisemitismusfreies gesellschaftliches Milieu – oder, wie Hannah Arendt einst sagte: „Vor Antisemitismus ist man nur noch auf dem Monde sicher.“[5]

Antisemitismus und Kritik an Israel

Viel diskutiert wird die Unterscheidung zwischen israelbezogenem Antisemitismus und Kritik an der israelischen Politik. Mittlerweile gibt es in den Sozialwissenschaften einen weitgehenden Konsens darüber, wo diese Grenze verläuft. Als eine Art Schnelltest bietet sich der sogenannte 3D-Test für Antisemitismus[6] an. Wird Israel delegitimiert, dämonisiert oder mit doppelten Standards belegt, also anders bewertet als andere Länder, dann ist eine Äußerung mit einiger Berechtigung nicht als Kritik an der israelischen Politik, sondern als israelbezogener Antisemitismus einzustufen. Weiterführende Erklärungen, wo israelbezogener Antisemitismus beginnt, finden sich in der erweiterten Definition der IHRA.[7] Antisemitisch sind Äußerungen und Handlungen demnach beispielsweise dann, wenn althergebrachte Bilder des historischen Antisemitismus auf den Staat Israel übertragen werden, Jüdinnen und Juden das nationale Selbstbestimmungsrecht abgesprochen wird oder sie in Generalhaftung für israelische Politik genommen werden.

Antisemitismus ist also weiterhin ein relevantes gesellschaftliches Problem, das sich auch in Stammtischparolen ausdrückt. Gerade deswegen ist es wichtig, antisemitischen Äußerungen zu widersprechen und für ein demokratisches Miteinander einzutreten.

Florian Eisheuer, Viet Hoang – Amadeu Antonio Stiftung 

 

Weiterführende Links

Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung: http://www.bpb.de/politik/extremismus/antisemitismus/

„Man wird ja wohl Israel noch kritisieren dürfen …“? Eine pädagogische Handreichung zum Umgang mit israelbezogenem Antisemitismus:
https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/w/files/pdfs/aktionswochen/paedagogischer-umgang-mit-israelbezogenem-antisemitismus.pdf

Läuft noch nicht? Gönn dir: 7 Punkte für eine Jugendarbeit gegen Antisemitismus!:
https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/w/files/publikationen/laeuft-noch-nicht_goenn-dir_-7-punkte-gegen-antisemitismus.pdf

 

Quellen

[1] Fischer, Tjark: „Wer Deutschland liebt, ist Antisemit“, in: Belltower.News, 25.09.2018, URL: www.belltower.news/artikel/neonazis-dortmund-wer-deutschland-liebt-ist-antisemit-14284 [eingesehen am 19.07.2019].

[2] O.V: „Kampf gegen Antisemitismus gehört zu unserer Staatsräson“, in: BMI, 20.09.2017, URL: https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/kurzmeldungen/DE/2017/09/definition-antisemitismus.html [eingesehen am 19.07.2019; Fehler im Original].

[3] Siehe Verein für Demokratische Kultur in Berlin e.V./Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (Hrsg.): Antisemitische Vorfälle. Januar bis Juni 2018, Berlin 2018, URL: https://report-antisemitism.de/media/Bericht-antisemitischer-Vorfaelle-Jan-Jun-2018.pdf [eingesehen am 19.07.2019].

[4] Siehe Decker, Oliver/Brähler, Elmar (Hrsg.): Flucht ins Autoritäre. Rechtsextreme Dynamiken in der Mitte der Gesellschaft, Gießen 2018, URL: https://www.boell.de/sites/default/files/leipziger_autoritarismus-studie_2018_-_flucht_ins_autoritaere_.pdf [eingesehen am 19.07.2019].

[5] Arendt, Hannah: Ceterum Censeo … (26. Dezember 1941), in: dies.: Vor Antisemitismus ist man nur noch auf dem Monde sicher, München/Zürich 2004, S. 29–35.

[6] Siehe dazu den Eintrag in der „Wikipedia“ unter URL: https://de.wikipedia.org/wiki/3-D-Test_f%C3%BCr_Antisemitismus [eingesehen am 19.07.2019].

[7] Siehe o.V.: Arbeitsdefinition „Antisemitismus“, in: European Forum on Antisemitism, URL: https://european-forum-on-antisemitism.org/definition-of-antisemitism/deutsch-german [eingesehen am 19.07.2019].

 

Kontakt:

Amadeu Antonio Stiftung

info@amadeu-antonio-stiftung.de

Novalisstraße 12
10115 Berlin  

Antiziganismus

Was heißt Antiziganismus?

Seit vielen Jahrhunderten wurden und werden Sinti_ze und Rom_nja[1] mit der Bezeichnung „Zigeuner“ stigmatisiert, abgewertet und verfolgt. Diese Bezeichnung ist daher untrennbar mit rassistischen Zuschreibungen verbunden, die sich durch die Jahrhunderte zu einem geschlossenen Feindbild verdichtet haben. Diese spezifische Form der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit bezeichnen wir heute als Antiziganismus.

 

Der Begriff „Antiziganismus“ und Alternativbegriffe

Die früheste uns heute bekannte Verwendung dieses Begriffs stammt aus dem nachrevolutionären Russland der 1920er Jahre.[2] In Deutschland kam der Begriff „Antiziganismus“ hingegen erst in den 1980er Jahren im Umfeld der Bürgerrechtsbewegung der Sinti_ze und Rom_nja und seit Ende der 1990er Jahre verstärkt in der Wissenschaft auf. Mittlerweile wird er auch im öffentlichen Sprachgebrauch immer häufiger verwendet. Gleichwohl ist „Antiziganismus“ weiterhin ein umstrittener Begriff.[3]

Als zentrale Schwachstelle wird kritisiert, dass der Begriff „Antiziganismus“ auch die rassistische Fremdzuschreibung „Zigeuner“ reproduziere – und auf diese Weise Verletzungen und Traumata wachgehalten werden könnten. Daher kursieren weitere, jedoch seltener benutzte Alternativbegriffe, z.B. Antiromaismus oder Gadjé-Rassismus. Beiden Alternativbegriffen liegt das Anliegen zugrunde, die sprachliche Reproduktion des Stigmas „Zigeuner“ zu verhindern. Während der Begriff „Antiromaismus“ den Schwerpunkt auf die Betroffenen legt, enthält der Begriff „Gadjé-Rassismus“ mit dem Ausdruck „Gadjé“ ein Wort aus dem Romanes – der Sprache der Sinti_ze und Rom_nja –, das zur Bezeichnung für Nicht-Rom_nja verwendet wird. Auf diese Weise soll sprachlich angezeigt werden, dass die Ausgrenzung von Sinti_ze und Rom_nja von Menschen und Institutionen der Dominanz- bzw. Mehrheitsgesellschaft ausgeht.[4] Auf dieser Grundannahme basiert auch der Begriff „Antiziganismus“, durch den deutlich gemacht werden soll, dass der Rassismus gegen Sinti_ze und Rom_nja auf dem Fremd- und Feindbild „Zigeuner“ basiert.

Unabhängig davon, welchen Begriff wir benutzen oder bevorzugen, gilt also: Antiziganismus oder bspw. Gadjé-Rassismus ist ein Machtverhältnis, das sowohl Sinti_ze als auch Rom_nja bis heute daran hindert, ihre unteilbaren Grund- und Menschenrechte[5] wahrzunehmen.

 

Definition

Eine häufig benutzte Arbeitsdefinition des Begriffs „Antiziganismus“ wurde von der Allianz gegen Antiziganismus – einem Zusammenschluss vieler europäischer Organisationen – erarbeitet. Demnach ist Antiziganismus ein über mehrere Jahrhunderte etablierter „Rassismus gegenüber sozialen Gruppen, die mit dem Stigma ‚Zigeuner‘“ belegt wurden. Antiziganismus bezeichnet nach dieser Definition feindselige Einstellungen gegenüber Personen aufgrund ihrer tatsächlichen oder wahrgenommenen Zugehörigkeit zur Gruppe der Sinti_ze und Rom_nja (oder abwertend im alltäglichen Sprachgebrauch auch „Zigeuner“), die als eine in sich einheitliche (d.h. homogene) Gruppe von der Mehrheit unterschieden werden könne. Allen Mitgliedern dieser von außen definierten Gruppe werden bestimmte Eigenschaften zugeschrieben (Vorurteile). Zudem resultieren für die Betroffenen aus dieser Behauptung einer „Andersartigkeit“ auch Benachteiligungen im täglichen Leben und mitunter sogar unmittelbare körperliche und pogromartige Gewalt.[6]

Auswirkungen und Folgen

Wie eine Vielzahl von Studien belegt, gehören Sinti_ze und Rom_nja zu den unbeliebtesten Bevölkerungsgruppen in ganz Europa. Auch in Deutschland bleibt die Ablehnung von Sinti_ze und Rom_nja auf einem erschreckend hohen Niveau relativ stabil.[7] Der heute weitverbreitete Antiziganismus drückt sich aber nicht nur in individuellen Vorurteilen und Einstellungen aus, sondern manifestiert sich auch in einer massiven strukturellen Diskriminierung.[8] Sinti_ze und Rom_nja sind in vielen Bereichen des alltäglichen Lebens aufgrund von antiziganistischen Zuschreibungen wie Kriminalität, Integrationsunfähigkeit oder Sozialstaatsmissbrauch überproportional von Benachteiligung betroffen: Im Bildungs- und Gesundheitssystem sowie auf dem Arbeitsmarkt zeigt sich sehr deutlich, dass Antiziganismus unmittelbare negative Auswirkungen auf das Leben von vielen Sinti_ze und Rom_nja hat.

Es ist wichtig zu betonen, dass der Antiziganismus das Haupthindernis für eine gleichberechtigte Teilhabe von Sinti_ze und Rom_nja am gesellschaftlichen Leben ist. Häufig wird an Stammtischen und in medialen Diskursen allerdings behauptet, dass „die“ Kultur der Sinti_ze oder der Rom_nja ursächlich dafür verantwortlich sei, dass diese sich gar nicht integrieren könnten und daher letztlich auch selbst schuld an der Ausgrenzung seien. Wo es zu Konflikten kommt, ist es entscheidend, dass soziale Probleme nicht ethnisiert oder kulturalisiert werden. Denn soziales Handeln von Menschen ist immer nur aus einer konkreten Situation heraus verstehbar. Das trifft selbstverständlich auch auf Sinti_ze und Rom_nja zu – schließlich sind sie so individuell und verschieden wie alle anderen Menschen auch.

Eine weitere Folge von antiziganistischer Diskriminierung ist, dass sich Sinti_ze und Rom_nja häufig unsichtbar machen. So sind bspw. viele jugoslawische Rom_nja als Arbeitsmigrant_innen seit den 1970er Jahren nach Deutschland gekommen und haben ihre Zugehörigkeit zur Community der Rom_nja aus Angst vor einer erneuten Stigmatisierung in Deutschland verborgen.[9] Das Unsichtbarmachen ist eine weitverbreitete Handlungsstrategie, um einer möglichen Ungleichbehandlung zu entgehen. Daraus wiederum ergibt sich ein weitergehendes Problem: Erfolgreiche Biografien von Sinti_ze und Rom_nja werden häufig nicht wahrgenommen und „übersehen“. Deshalb ist es wichtig, den negativen Klischees über Sinti_ze und Rom_nja wirklichkeitsgerechtere und positive Bilder entgegenzusetzen. Schließlich sind Sinti_ze und Rom_nja genauso individuell und verschieden wie alle anderen Menschen auch.

Tobias Neuburger

 

[1] Sinti_ze (aus Sinti und Sintize) und Rom_nja (aus Roma und Romnja) sind geschlechtsneutrale Pluralbildungen.

[2] Vgl. Holler, Martin: Historische Vorläufer des modernen Antiziganismusbegriffs, in: Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma (Hrsg.): Antiziganismus. Soziale und historische Dimensionen von ‚Zigeuner‘-Stereotypen, Heidelberg 2015, S. 38–52.

[3] Vgl. End, Markus: Antiziganismus. Zur Verteidigung eines wissenschaftlichen Begriffs in kritischer Absicht, in: Bartels, Alexandra u.a. (Hrsg.): Antiziganistische Zustände 2. Kritische Positionen gegen gewaltvolle Verhältnisse, Münster 2013, S. 39–72.

[4] Vgl. Fernandez, Elsa: Überlieferungen und Kontinuitäten. Zülfakar Cetin im Gespräch mit Elsa Fernandez, in: Cetin, Zülfakar/Tas, Savas (Hrsg.): Gespräche über Rassismus. Perspektiven und Widerstände, Berlin 2015, S. 151–160; Randjelovic, Isidora: „Das Homogene sind die Leute, die über Romnja reden“. Zülfakar Cetin im Gespräch mit Isidora Randjelovic, in: Cetin, Zülfakar/Tas, Savas (Hrsg.): Gespräche über Rassismus. Perspektiven und Widerstände, Berlin 2015, S. 31–44.

[5] Vgl. Grund- und Menschenrechte, in: bpb.de, URL: https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/pocket-politik/16436/grund-und-menschenrechte [eingesehen am 06.05.2019].

[6] Vgl. Allianz gegen Antiziganismus: Antiziganismus – Grundlagenpapier, Juni 2017, S. 5, URL: https://antigypsyism.eu/wp-content/uploads/2017/07/Grundlagenpapier-Antiziganismus-Version-16.06.2017.pdf [eingesehen am 01.02.2019].

[7] Für Deutschland siehe exemplarisch Antidiskriminierungsstelle des Bundes (Hrsg.): Zwischen Gleichgültigkeit und Ablehnung. Bevölkerungseinstellungen gegenüber Sinti und Roma, Berlin 2014; Friedrich-Ebert-Stiftung (Hrsg.): Verlorene Mitte – Feindselige Zustände. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2018/19, Bonn 2019.

[8] Vgl. Fundamental Rights Agency (Hrsg.): A Persisting Concern: Anti-Gypsyism as a Barrier to Roma Inclusion, Luxemburg 2018.

[9] Vgl. Jonuz, Elizabeta: „Aber wenn Menschen mich an meiner Hautfarbe festmachen, bin ich Ausländerin, auch wenn ich einen deutschen Pass habe, Ausländerin.“ Wie Romafamilien Ethnisierungsprozessen begegnen, in: Stender, Wolfram (Hrsg.): Konstellationen des Antiziganismus. Theoretische Grundlagen, empirische Forschung und Vorschläge für die Praxis, Wiesbaden 2016, S. 151–187.

 

Kontakt:

Stiftung niedersächsische Gedenkstätten

Projekt KogA – Kompetent gegen Antiziganismus

Im Güldenen Winkel 8

29223 Celle

Tel.: +49 (0) 5141 – 966 2040

Fax: +49 (0) 5141 – 933 55 – 33

Behindertenfeindlichkeit

Wovon sprechen wir hier?

Menschen mit Behinderung sehen sich immer wieder mit verschiedenen Vorurteilen konfrontiert. Die ausschließliche Beurteilung eines Menschen aufgrund seiner (fehlenden) körperlichen und/oder geistigen Fähigkeiten wird dabei Ableismus oder auch Ableism genannt.

Der Begriff „Ableismus“ setzt sich aus dem englischen Wort „able“ (to be able = fähig sein) und der Endung „ismus“ zusammen. Diese Wortendung deutet auf ein in sich geschlossenes Gedankensystem – weitere Beispiele sind Rassismus oder Sexismus. Damit einher geht eine Abwertung (wegen seiner Beeinträchtigung) oder aber eine Aufwertung (trotz seiner Beeinträchtigung) eines Menschen. In jedem Fall werden die Betroffenen nicht als gleichberechtigte Gegenüber wahrgenommen, sondern etikettiert, auf- oder abgewertet und anders behandelt als Menschen ohne Behinderung. Ähnlich wie Rassismus gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund oder Sexismus gegenüber Frauen basiert Ableismus gegenüber Menschen mit Behinderung auf der wahrgenommenen bzw. zugeschriebenen Abweichung von einer positiv besetzten Norm – weiß, männlich, able bodied. Somit ist Ableismus eine Form von Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (GFM).

 

Was bedeutet Ableismus im Alltag?

Eine blinde Frau geht mit ihrem Langstock auf eine Straßenkreuzung zu und bleibt vor der Straße auf dem Gehweg stehen. Ungefragt wird sie von einem Passanten, der sie über die Straße führen will, am Arm untergehakt. Die Frau wollte jedoch lediglich am vereinbarten Treffpunkt an der Straßenecke auf ihre Freundin warten.

Ein junger Mann im Rollstuhl fährt nach der Arbeit mit dem Bus nach Hause. Der Bus ist voll und die Mitfahrenden sind sichtlich genervt, da sich durch das Ausfahren der Rampe die Abfahrt des Busses verzögert. Darauf angesprochen, ob er denn unbedingt im Feierabendverkehr Bus fahren müsse, antwortet er, dass er ebenfalls Feierabend habe und auf dem Heimweg von der Arbeit sei. Die Mitfahrenden äußern sich daraufhin plötzlich sehr positiv und loben, dass er trotz seiner Behinderung einer Arbeit nachgehe.

Diese beiden Begebenheiten sind nur zwei Beispiele für sehr viele unterschiedliche Situationen von Ableismus im Alltag, mit denen behinderte Menschen regelmäßig konfrontiert werden.

 

Ursachen

Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderung entstehen häufig dann, wenn Menschen keinen Kontakt mit behinderten Menschen haben und somit keine Erfahrungen im Umgang miteinander sammeln können. Eine nicht-inklusive Gesellschaft verstärkt die Bildung solcher Vorurteile. In sehr vielen Bereichen gibt es für Menschen mit Behinderung spezielle Einrichtungen, z.B. Kindergärten, Schulen oder Wohnheime. Diese extra Einrichtungen verhindern gemeinsame Erfahrungen von Menschen mit und ohne Behinderung. Kommt es doch mal zu einer Begegnung, verhalten sich oftmals vor allem die Menschen ohne Behinderung unsicher. Viele handeln aus Angst heraus, etwas „falsch zu machen“, und brechen die Begegnung oder Unterhaltung schnell wieder ab. Offen nachzufragen und auch die eigene Unsicherheit direkt anzusprechen, entspannt hingegen in den meisten Fällen die Situation und hilft, vermeintliche Hindernisse im Umgang miteinander aus dem Weg zu räumen. Um Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderung abzubauen, ist somit wichtig, Berührungs- und Begegnungspunkte zu schaffen.

 

Rechtliche Regelungen zur Gleichbehandlung und Inklusion

Die Geschichte der gesetzlichen Grundlagen für die Rechte von Menschen mit Behinderung ist in Deutschland (leider) nur recht jung. Erst 1994 wurde in Artikel 3 des Grundgesetzes der Zusatz hinzugefügt: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ Seit 2002 soll zudem das Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen den Schutz vor Benachteiligung und eine selbstbestimmte Lebensführung sicherstellen. Durch die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK), die seit März 2009 in Deutschland geltendes Recht ist, hat sich eine neue Perspektive durchgesetzt: Dass es vor allem die Gesellschaft ist, die Menschen behindert. Konkret heißt es in der UN-BRK in Artikel 1 Satz 2: „Danach bezieht sich der Begriff ‚Menschen mit Behinderungen‘ auf Menschen, die langfristige körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, welche sie in Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können.“

Obwohl die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland also seit fast zehn Jahren gilt, ist in puncto Inklusion nach wie vor noch viel zu tun. Wie gesagt, liegt das unter anderem daran, dass viele Menschen im Alltag kaum Berührungspunkte mit Menschen mit Behinderung haben.

In vielen verschiedenen Bereichen existieren zahlreiche Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderung. In der Schule soll die Lehrkraft wegen der anwesenden Schüler_innen mit Behinderung plötzlich keine Zeit für die „normalen“ Schüler_innen mehr haben; im Bus nimmt der Rollstuhlfahrer viel zu viel Platz weg; im Betrieb müssen angeblich alle anderen mehr arbeiten, um die Aufgaben des behinderten Arbeitnehmers mitzuerledigen; und generell lohnt sich für zwei Rollifahrer_innen doch keine Rampe, lieber sollte „etwas Gutes für die Allgemeinheit“ getan werden.

In der Familie, beim Sport, im Freundeskreis, in der Sprache oder in der Politik ließen sich unzählige weitere Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderung finden. Hinzu kommen ganz allgemeine Vorurteile, die keinen direkten Bezug zu einer Person oder einem bestimmten Thema haben:

 „Behinderte wollen immer nur Aufmerksamkeit!“

 „Behinderte sind immer so laut.“

„Behinderte brauchen immer eine Extrawurst.“

 

Ansätze für mehr Inklusion

Umso wichtiger ist es, Inklusion von Anfang an umzusetzen und inklusive Angebote zu schaffen – je früher, desto besser. Inklusion beginnt nicht erst in der Schule oder im Arbeitsleben, sondern bereits im Kleinkindalter. Wenn Kinder – egal ob mit oder ohne Behinderung – gemeinsam aufwachsen, ist Behinderung nichts Fremdes und Ungewohntes mehr, sondern wird zur Selbstverständlichkeit. Werden Kleinkinder bspw. bereits ab einem Jahr in einer inklusiven Krippe betreut, können vorurteilsfrei Kontakte entstehen.

Und dann wirken die genannten Beispiele auch schnell lächerlich.

 SoVD-Jugend Niedersachsen

 

Weiterführende Links

https://www.sovd-nds.de/

https://www.facebook.com/sovdjugendnds/

https://www.ohne-angst-verschieden-sein.de/

https://www.einfach-waehlen.de/

https://www.aktion-mensch.de/

https://www.behindertenbeauftragter.de/

https://www.gemeinsam-einfach-machen.de/

https://leidmedien.de/

https://www.behindertenrechtskonvention.info/

https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/monitoring-stelle-un-brk/

https://www.behindertenbeauftragter-niedersachsen.de/

https://www.zeit.de/1980/13/der-behinderte-ein-monster

https://www.bpb.de/izpb/9729/vorurteile-gegen-sozial-schwache-und-behinderte?p=all

 

 

Kontakt:

SoVD-Landesverband Niedersachsen e.V.

SoVD-Jugend Niedersachsen

Kathrin Schrader

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Klassismus

Vorurteile und Diskriminierung vonArmen und sozial Benachteiligten

Werden Menschen aufgrund ihrer sozialen Herkunft, ihres ökonomischen, sozialen oder bildungsbezogenen Status abgewertet und diskriminiert, so ist das auch eine Form der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit. In Anlehnung an den Begriff „Rassismus“ wird hier auch von „Klassismus“ gesprochen, was sich auf die Unterschiedlichkeit der Lebensverhältnisse in verschiedenen sozialen Klassen bezieht. .

Eine Form der Abwertung sind Parolen, Sprüche und pauschal abwertende Bezeichnungen, wie z.B. „Sozialschmarotzer“, „faule Arbeitslose, die der Allgemeinheit auf der Tasche liegen“, „Penner“, „Assis“, „dumme Hauptschüler“ oder „stinkende Hartz-IV-ler“.

Wie auch bei anderen Formen der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit wird hier anhand eines sozial-ökonomischen Merkmals eine Gruppe konstruiert („die Armen“, die „Arbeitslosen“, „die Hartz-IV-Empfänger“). Dieser Gruppe werden dann bestimmte Eigenschaften und Stereotype zugewiesen („… sind faule Sozialschmarotzer“, „… liegen den Fleißigen auf der Tasche“, „… wollen gar nicht arbeiten“, „… sind selber schuld“, „… müssen sich nur etwas anstrengen, um Arbeit zu finden“).

Soziale Ungleichheit

Wir leben in einem wohlhabenden Land: Die Wirtschaftskraft der Gesellschaft insgesamt, das sogenannte Bruttoinlandsprodukt (BIP), steigt in der Bundesrepublik ständig an. Gleiches gilt für die Gewinne von Unternehmen und durch Vermögen. Das Wirtschaftswachstum ist positiv, die Arbeitslosenzahlen sinken. Allerdings ist der Reichtum ungleich verteilt: Laut dem Armutsbericht der Bundesregierung von 2017 verfüge die untere Hälfte der Haushalte „nur über etwa ein Prozent des gesamten Nettovermögens, während die vermögensstärksten zehn Prozent der Haushalte mehr als die Hälfte des gesamten Nettovermögens besitzen“.

Zudem nimmt in Deutschland – trotz eines ständig steigenden BIP, steigender Gewinne von Unternehmen und sinkender Arbeitslosenzahlen – die Zahl derjenigen Menschen zu, die von Armut betroffen sind. Dem Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands zufolge habe z.B. im Jahr 2015 die Armutsquote – also der Anteil aller Haushalte, denen weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens zur Verfügung steht – bei 15,7 Prozent gelegen. Das ist fast ein Sechstel der deutschen Bevölkerung – 13 Millionen Menschen.

Ein besonders hohes Armutsrisiko haben Arbeitslose, Alleinerziehende, Rentner_innen, Empfänger_innen von ALG II (Hartz IV), Migrant_innen, besonders Flüchtlinge, und Kinder. 2017 waren 14 Prozent der Kinder auf ALG II angewiesen – ungefähr jedes siebte Kind.

 

Auftreten und Folgen von Klassismus

Armut bedeutet nicht nur, dass die Betroffenen nicht im gleichen Maße wie andere Menschen über finanzielle Mittel verfügen. Armut führt auch zu einer höheren Belastung durch Stress, Krankheiten, Depressionen und zu einer stark eingeschränkten Teilhabe am gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Leben.

Zu den ökonomisch und damit meist auch politisch schwachen Gruppen in unserer Gesellschaft zählen z.B. Geringverdiener_innen, Obdach- und Wohnungslose, Langzeitarbeitslose, Bezieher_innen von ALG II/Hartz IV, geringqualifizierte Arbeitskräfte in prekären Arbeitsverhältnissen und Menschen aus „bildungsfernen“ Familien oder „sozialen Brennpunkten“. Sie sind neben ihrer meist ohnehin schon schwierigen Lebenssituation zusätzlich von Ausgrenzung, Abwertung und Diskriminierung betroffen.

Ideologien der Abwertung

Hinter der Abwertung armer Menschen stehen meist sozialdarwinistische Auffassungen: „Wer nichts leistet, wer nicht arbeitet, der soll auch nichts essen.“ Sozialdarwinismus ist die (unwissenschaftliche) Übertragung von Charles Darwins Vererbungslehre auf menschliche Gesellschaften. Nach Darwin überleben nur die an ihre Umwelt am besten angepassten Tiere und Pflanzen. Er nennt das „Survival of the fittest“ – eigentlich zu übersetzen mit „Überleben der Angepasstesten“. Man kann den Satz aber auch als „Die Stärkeren überleben“ übersetzen und interpretieren. Auf die menschliche Gesellschaft angewandt, behauptet der Sozialdarwinismus letztlich, es sei gut, wenn Menschen, die (sozial) schwach sind, nicht unterstützt werden, sondern ihrem Schicksal überlassen bleiben – und in letzter Konsequenz sterben. Damit würden – so der Sozialdarwinismus – negative Eigenschaften „ausgemerzt“ und nur die „guten“ Erbeigenschaften weitergetragen. Auch die Nazis haben diese Ideologie verfolgt: Armut, Verwahrlosung und Obdachlosigkeit wurden nicht als Folgen wirtschaftlich-gesellschaftlicher Entwicklungen angesehen, sondern als ein Problem der Vererbung ausgemacht.

Abwertungen aufgrund des sozialen Status ist gemein, dass sie die Verantwortung für die jeweilige Lebenssituation allein im persönlichen Verhalten der betroffenen Menschen sehen und ökonomische sowie politische Mechanismen ausblenden. Doch tatsächlich kann Arbeitslosigkeit heute jede und jeden treffen – egal wie fleißig oder angepasst sie oder er ist. Menschen geraten vor allem deshalb in die Arbeitslosigkeit, weil Arbeitsplätze wegrationalisiert oder verlagert werden, weil befristete Verträge auslaufen und nicht verlängert werden. Und selbst Arbeit schützt vor Armut nicht: Immer mehr Menschen gehören zu den sogenannten Working Poor, die trotz einer Vollzeitbeschäftigung oder mehrerer Jobs mit ihrem Einkommen unter der Armutsgrenze bleiben.

Vorurteile und Stereotype gegenüber Armen werden oftmals auch von Politiker_innen sowie Medien transportiert. Dies erfüllt mitunter eine bestimmte Funktion: Eigentlich ist es ja ein Skandal, dass es in einer derart reichen Gesellschaft Armut gibt. Man könnte also die Frage nach den Ursachen der ungleichen Verteilung stellen oder gar eine gerechtere Umverteilung von oben nach unten einfordern. Das ist natürlich von manchen Parteien nicht erwünscht. Die Betroffenen selbst für ihre Situation verantwortlich zu machen, fungiert hingegen oftmals als Begründung dafür, soziale Unterstützung zu streichen oder soziale Rechte von Beschäftigten zu beschränken.

 

Die Antwort: Solidarität

Stereotype und Vorurteile sollten auch in Bezug auf arme Menschen immer hinterfragt werden. Dazu gehört auch die Frage, wer ein Interesse daran hat, arme Menschen zu diskriminieren – und welches Ziel damit verfolgt wird.

Jede und jeder sollte sich die Frage stellen, ob sie oder er in einer Gesellschaft leben möchte, in der jeder gegen jeden „kämpft“, in der nur der Stärkere sich durchsetzt und arme Menschen sich selbst überlassen bleiben. Oder in einer solidarischen Gesellschaft, die Menschen unterstützt, wenn sie in Not sind und Hilfe brauchen. Denn jede und jeder von uns kann selbst einmal in die Situation kommen, Hilfe und Unterstützung zu benötigen.

 

 

Paritätischer Wohlfahrtsverband Niedersachsen e. V.

Paritätisches Jugendwerk (PJW)

Geschäftsstelle PJW

Rosenwall 1

38300 Wolfenbüttel

Ansprechpartner: David Janzen

Kontakt: david.janzen@paritaetischer.de

05331 / 90546-30

 

Sexismus

Definition

Der Begriff „Sexismus“ bezeichnet die Benachteiligung und Abwertung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts. Dies kann grundsätzlich sowohl für Frauen als auch für Männer gelten – Frauen sind faktisch aufgrund der männlich dominierten Machtverteilung in der Gesellschaft schon immer viel stärker von sexistischen Einstellungen und Verhaltensweisen betroffen gewesen. Geschlechtsspezifische Vorurteile werden benutzt, um einen ungleichen sozialen Status von Frauen und Männern zu konstruieren und zu zementieren. Er äußert sich von einer schlechten Bezahlung von Frauen bis zu verbalen und körperlichen Übergriffen.

 

Verbreitung

Sexistische Abwertung kann bewusst oder unbewusst geschehen; sie bedingt ein diskriminierendes Verhalten gegenüber Personen, die als weiblich wahrgenommen werden. Somit erzeugt und festigt Sexismus einen ungleichen Stellenwert von Geschlechtern in der Gesellschaft.

Aussagen von Personen des öffentlichen Lebens können sexistische Einstellungen verstärken und diskriminierendes Verhalten relativieren. Große Verbreitung finden sexistische Einstellungen auch durch Songtexte. Beispielsweise im Reggaeton und Hip Hop/Rap werden Frauen häufig sexualisiert, als sexuell verfügbar für den Mann beschrieben und zu Objekten degradiert, z.B. bei Daddy Yankee, Jiggy Drama, 50 Cent oder Farid Bang.

 

Ursachen

In vielen Gesellschaften ist historisch und strukturell eine „Dominanzkultur“ von Männern verankert. Diese basiert auf der Annahme, dass angeblich natürliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen beständen und sich beispielsweise auf deren jeweilige Leistungsfähigkeit auswirken würden. Die Behauptung unterschiedlicher „angeborener“ Eigenschaften führt zu einer Zuweisung spezieller Rollen. Frauen werden oftmals Fähigkeiten und Aufgaben der Liebenden, Dienenden, Fürsorglichen und Mutter anerkannt und zugewiesen; zudem gelten sie häufig als „schwach“, „emotional“ und „zickig“. Männer werden häufig mit den Klischees „stark“, „unromantisch“, „unaufmerksam“, „anpackend“ beschrieben. „Mädchen“ wird daher als Schimpfwort für Jungs benutzt, wenn sie diese Erwartungen nicht erfüllen.

 

Folgen

Solche sexistischen Einstellungen und Verhaltensweisen drängen Frauen in den privaten Raum (Haushalt und Familie) und fordern von ihnen öffentliche Zurückhaltung. Daraus folgt, dass Frauen „wie selbstverständlich“ den größten Teil an unbezahlter Haus- und Pflegearbeit leisten.

Rollenzuweisungen führen dazu, dass Mädchen häufig gesagt wird, dass sie bestimmte Sachen nicht könnten (Fußball spielen, Auto fahren, Mathe usw.). Dies kann dazu führen, dass Frauen bestimmte Karrierepfade und Machtpositionen schon im Voraus als unrealistische Optionen für sich ausschließen und gar nicht anstreben. Und falls sie hochrangige Posten in der Wirtschaft oder Politik bekleiden und dabei mit klassischen Rollenbildern brechen, müssen sie sich oftmals mit Angriffen auseinandersetzen und ihr Handeln rechtfertigen. Daraus folgt, dass Frauen im Durchschnitt weniger Geld verdienen als Männer, nämlich rund 21 Prozent. Berufe, in denen viele Frauen arbeiten, werden oft schlecht bezahlt (z.B. Reinigungskräfte, Haar- und Schönheitspflege, Einzelhandel) (Quelle: bpb).

Außerdem kann Sexismus zur Folge haben, dass übergriffiges Verhalten, Stalking und Gewalt gegenüber Frauen bagatellisiert werden – insbesondere in privaten Kontexten wie der Familie und in Beziehungen und in Songtexten, wenn Frauen als sexuell verfügbar beschrieben werden. Dies führt mit den realen Erfahrungen von sexueller und/oder körperlicher Gewalt gegenüber Frauen dazu, dass die Angst vor sexuellen Übergriffen und Vergewaltigungen viele Mädchen und Frauen im Alltag begleitet.

 

Aktuelle Entwicklungen

Seit einiger Zeit wird in Deutschland eine gesellschaftliche Debatte über die ungleiche Bezahlung von Frauen und ihren geringen Anteil an Führungspositionen in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft geführt.

Im Jahr 2013 sprach sich hierzulande die #Aufschrei-Bewegung für eine breite Auseinandersetzung mit dem Thema Sexismus – insbesondere Alltagssexismus – aus. Beim Nachrichtendienst Twitter wurden Meldungen über sexistische Erfahrungen mit dem Hashtag #aufschrei versehen. Die von den USA ausgehende #MeToo-Bewegung macht seit dem Jahr 2017 in ähnlicher Form weltweit auf den diskriminierenden und übergriffigen Umgang mit Frauen aufmerksam. Blogs wie everydaysexism.com sammeln Erfahrungsberichte über Sexismus in Alltagssituationen, die sie dann anonym im Internet veröffentlichen. Im Jahr 2019 hat die „Frauen*streik“-Bewegung die Ungleichbehandlung in der Lohn- und Hausarbeit öffentlich diskutiert und am 8. März, dem Internationalen Frauentag, zahlreiche Aktionen sowie Großdemonstrationen durchgeführt.

Jan Laging

 

Links

https://no-hate-speech.de/de/kontern/sexismus/

https://www.bpb.de/apuz/178658/sexismus

https://alltagssexismus.de/

https://everydaysexism.com/

https://www.bpb.de/apuz/265104/zusammenhang-von-rap-und-geschlecht?p=all

https://www.bpb.de/mediathek/202422/sexismus-begegnen

 

Kontakt:

IG Metall Salzgitter-Peine

Chemnitzer Str. 33

38226 Salzgitter

Ansprechpartner: Jan Laging

Kontakt: Jan.Laging@igemetall.de

05341/88 44 15

Rassismus

Rassismus – Geschichte, Hintergründe, Wirkung

 Der Begriff „Rassismus“ weckt sofort Assoziationen: stereotype Bilder von Springerstiefeln und Bomberjacken, auch Erinnerungen an unangenehme oder sogar bedrohliche Situationen. Doch was ist Rassismus eigentlich, wie ist er entstanden und wie zeigt sich Rassismus heute?

Was ist Rassismus?

  • Rassismus bezeichnet die Herabwürdigung von Menschen aufgrund vermeintlicher oder realer kultureller oder körperlicher Eigenschaften. Entscheidend hinzu kommt die gesellschaftliche Durchsetzungsmacht, die nur die weiße Mehrheitsbevölkerung innehaben kann. Deshalb ist Rassismus nicht nur ein zwischenmenschliches Problem, sondern hat auch negative Auswirkungen auf Bildungschancen, die Behandlung durch Ämter, das Finden einer Wohnung, den Zugang zu politischer Teilhabe, den Zugang zu Ärzt_innen, Freizeitaktivitäten und vieles mehr. Das bedeutet, Rassismus hat eine große Auswirkung auf unsere Gesellschaft.

Er teilt sie in „Wir“ und „Die“, z.B. „Wir Deutschen“ und „Die Migrant_innen“. Er definiert, was als „normal“ gilt und was nicht: Es gilt z.B. als „normal“, zwei deutsche Elternteile zu haben, es gilt als „nicht normal“, wenn ein Elternteil aus einem anderen Land kommt.

Oftmals wird z.B. in Zeitungsberichten statt von Rassismus von „Ausländerfeindlichkeit“ oder „Fremdenfeindlichkeit“ gesprochen. Das ist so aber in der Regel nicht richtig. Denn die beiden Begriffe verdecken, dass Opfer von rassistischen Übergriffen nicht nur Menschen werden, die sich nur zeitweise oder erst seit Kurzem in Deutschland befinden. Schwarze Menschen leben z.B. schon seit rund 300 Jahren hier.

Außerdem sind nicht alle „Ausländer_innen“ Ziel von Angriffen und Feindseligkeiten. Es werden keine Dän_innen oder Schwed_innen, keine weißen Brit_innen oder Australier_innen attackiert. Ziel sind Menschen, die in bestimmte Muster fallen, Schwarze oder People of Color, Menschen, die angeblich oder tatsächlich vom afrikanischen Kontinent, aus dem Nahen Osten oder anderen Teilen Asiens stammen, oder solche, die tatsächlich oder vermeintlich muslimischen Glaubens sind.

 

Rassistische Stereotype und Denkweisen werden z.B. in Schulen, Universitäten und anderen Bildungsinstitutionen auch heute noch reproduziert. Gerade weil Rassismus überall in unserer Gesellschaft präsent ist, wird es den meisten Menschen in ihrem Leben passieren, dass sie selbst rassistische Aussagen treffen oder rassistische Gedanken teilen. Rassistisch ist dabei leider nicht nur das, was auch rassistisch gemeint ist. Auch in Unterrichts- und Bildungsmaterialien werden immer wieder rassistische Stereotype und Denkweisen reproduziert.

Seit vielen Jahren weisen Forscher_innen darauf hin, dass es sich nicht um ein Randphänomen handelt. Die Ergebnisse des Forschungsprojektes zu Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und auch die sogenannten Mitte-Studien belegen die weite Verbreitung rassistischer Einstellungen in der deutschen Bevölkerung.

Wichtig ist, uns bewusst zu machen, dass dem so ist, und zu lernen, anders zu handeln und zu sprechen, kritische Fragen zu stellen und rassistischen Aussagen oder Bildern etwas entgegenzusetzen. Wenn Betroffene von Rassismus berichten, ist es wichtig, ihnen zuzuhören, über das Gesagte nachzudenken, sich zu informieren und daraus Schlüsse zu ziehen.

 

Die Entstehung von Rassismus

Ideen der Ungleichwertigkeit verschiedener Menschen sind sehr alt, ihre Ursprünge lassen sich in drei Ideen unterscheiden: Die „Klimatheorie“, die „Fluchtheorie“ und die „Rassentheorie“. Die ersten beiden unterscheiden Menschen nicht nach „Rassen“ und können deshalb, streng genommen, nicht als Rassismus bezeichnet werden. Grundsätzlich gilt: Alle drei sind aus wissenschaftlicher Perspektive falsch.

Aristoteles (384–322 v.Chr.) war einer der ersten Philosophen, die eine menschliche Rangordnung aufstellten: die „Klimatheorie“. Demnach seien Völker, die in extrem heißen oder kalten Gebieten lebten, intellektuell und physisch minderwertig. Die Griech_innen jedoch lebten in einem mediterranen, gemäßigten Klima und seien deshalb allen Nichtgriech_innen überlegen. Diese Theorie lieferte unter anderem die Begründung dafür, warum nichtgriechische Völker versklavt werden durften.

Die zweite „Theorie“ bezieht sich auf den Fluch, der in der Bibel auf Ham, den Sohn von Noah, gelegt wurde: dass er nur Schwarze nachkommen haben solle, während seine beiden Brüder Nicht-Schwarze Nachkommen haben sollten. Die „Fluchtheorie“ wurde bereits in islamischen und hebräischen Quellen im ersten Jahrtausend erwähnt. Später diente sie als Begründung dafür, dass europäische Mächte zunehmend nur noch Schwarze Menschen versklavten, und dafür, diese Art der Sklaverei z.B. in den Kolonien europäischer Länder zu legalisieren.

In der Neuzeit folgte dann die „Rassentheorie“, welche die Menschen basierend auf pseudowissenschaftlichen Erkenntnissen in verschiedene, mehr oder weniger lebenswerte, „Rassen“ einteilte. Einige bekannte Vertreter dieser Idee waren z.B. Philosophen der Aufklärung wie Immanuel Kant oder Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Die Rassenideologie war später auch Grundlage für die Aneignung von Land in den deutschen Kolonien, den Genozid an Ovaherero und Nama im heutigen Namibia und die Verfolgung und Ermordung von Millionen von Menschen im Nationalsozialismus.

Im Jahr 1996 veröffentlichte Samuel P. Huntington sein Buch „Kampf der Kulturen“. Dieses Buch verdeutlicht, wie sich die rassistische Ideologie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verändert hat. An die Stelle des Begriffes „Rasse“ trat der Begriff „Kultur“. Nach dem Ende des Kalten Krieges würde es laut Huntington zu Konflikten innerhalb verschiedener Kulturräume kommen. Speziell zwischen der „westlichen Zivilisation“ und dem „islamischen“ und „chinesischen Kulturraum“. Huntington grenzt hier ganz klar „zivilisierte“ und „unzivilisierte“ Kulturen voneinander ab und steht damit in derselben Tradition wie die oben genannten Ideologien. Die Annahme von Huntington, dass Kulturen unveränderbar seien, ist ebenfalls falsch.

Die Geschichte des Rassismus zeigt uns vor allen Dingen eines: Rassistische Ideologien sind extrem anpassungsfähig. Ständig werden sie mit neuen, vermeintlich wissenschaftlichen Argumenten hinterlegt und bleiben doch immer die gleichen Ideen von Ungleichwertigkeit.

Was aber auch auffällt, ist, dass die Vordenker rassistischer Ideologien bis heute in der Regel nicht die „Nazis in Springerstiefeln“ sind, die uns beim Wort „Rassismus“ vielleicht als Erstes einfallen. Sie sind Teil der Mitte der Gesellschaft, sie arbeiten und forschen an Universitäten, sind Intellektuelle und Philosoph_innen.

 

Fremdmachen Othering

Für Betroffene hat Rassismus immer auch die Botschaft: „Du gehörst nicht dazu.“ Ob man dazugehört, entscheiden Betroffene nicht selbst, es wird für sie entschieden. Zum Beispiel mit der Frage: „Woher kommst du?“ Die Person, der die Frage gestellt wird, wird damit fremd gemacht. Oftmals wird gesagt, die Frage würde nur aus Interesse gestellt. Auffällig ist aber, dass manchen Menschen aufgrund von realen oder zugeschriebenen Merkmalen diese Frage ständig gestellt wird, anderen aber nicht. In der Regel wird auch eine Antwort wie „Aus der Altmark“ nicht akzeptiert, sondern es wird weiter gebohrt: „Nein, woher kommst Du wirklich?“ Das führt dazu, dass Menschen sich rechtfertigen und, oftmals sehr persönliche, Geschichten über ihre Familie erzählen müssen.

 

Rassismus zeigt sich auch durch Ausgrenzung – Diskriminierung –, wenn Menschen mit z.B. arabisch, türkisch oder polnisch gelesenen Namen schlechtere Chancen auf dem Arbeits- oder Wohnungsmarkt haben; oder wenn Menschen mit dunkler Hautfarbe immer wieder ohne Anlass von der Polizei auf Bahnhöfen oder in der Fußgängerzone kontrolliert werden; oder wenn ihnen vom Familiengericht ohne jegliches Anzeichen dafür unterstellt wird, sie könnten kulturell bedingt ihre Kinder nicht erziehen und deshalb kein gemeinsames Sorgerecht erhalten; oder wenn Betroffenen solcher Berichte nicht geglaubt wird. Der körperliche Übergriff, das Zuschlagen, der Brandanschlag: Das sind nur die Spitzen des Eisbergs.

 

Rassismus entgegenwirken

Rassismus hat also eine lange Geschichte und ist keineswegs nur ein Randphänomen. Die Begründungen für Rassismus, ob biologisch oder kulturell, können sich ändern, aber der ausgrenzende, auch gewalttätige Charakter bleibt. Doch wie können wir Rassismus begegnen? Erste Schritte können sein:

Betroffenen zuhören: Es gibt jede Menge Erklärvideos, Bücher und Artikel, in denen Betroffene zu Wort kommen und/oder Rassismus erklärt wird.

Darüber nachdenken: Welche Denkmuster erkenne ich bei mir wieder? Welches Wissen fehlt mir noch?

Dinge verändern: Wie werde ich in Zukunft damit umgehen? Wie kann ich mein Sprechen und Handeln verändern und mein Wissen vergrößern? Wie kann ich mich mit Gleichgesinnten zusammentun und politisch etwas verändern?

 

Nur, weil wir selbst keinen Rassismus erleben, bedeutet das nicht, dass er nicht existiert. Durch Zuhören können wir Verständnis für dessen Ausmaße entwickeln; dann können wir überlegen, wo das eigene Handeln, wenngleich vielleicht unabsichtlich, voreingenommen und ausgrenzend war und wie wir das in Zukunft vermeiden können.

 

Werden wir Zeug_innen, wie jemand rassistisch beleidigt oder diskriminiert wird, können wir die betroffene Person fragen, ob und welche Unterstützung sie sich wünscht. Und ist man dabei, wenn z.B. ein rassistischer Witz gemacht wird, können wir sagen, dass wir ihn nicht in Ordnung finden. Manchmal ist es in einer Gruppe nicht einfach, den ersten Schritt zu machen; aber oft ist man mit dem Widerspruch nicht allein.

 

Keywan Tonikaboni und Joanna Mechnich

Hinweis:

People of Color oder Schwarze Menschen sind politische Bezeichnungen, die sich ein Teil der Vertreter_innen dieser Gruppen selbst gegeben haben.

 

Weitere Informationen (v.a. Videos zum Thema (Alltags-)Rassismus)

 

  • Aydemir, Fatma/Yaghoobifarah, Hengameh (Hrsg.): Eure Heimat ist unser Albtraum, Berlin 2019.
  • Bergold-Caldwell, Denise/Digoh, Laura/Haruna-Oelker, Hadija, Nkwendja-Ngoubamdjum, Christelle/Ridha, Camilla/Wiedenroth-Coulibaly, Eleonore (Hrsg.): Spiegelblicke. Perspektiven Schwarzer Bewegung in Deutschland, Berlin 2015.
  • Düzyol, Tamer/Pathmanathen Taudy (Hrsg.): Haymatlos. Gedichte, Münster 2018.
  • Eddo-Lodge, Reni: Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche, Stuttgart 2019.
  • Eggers, Mauren Maisha/Kilomba, Grada/Piesche, Peggy/Arndt, Susan (Hrsg.): Mythen, Masken, Subjekte. Kritische Weißseinsforschung in Deutschland, Münster 2009.
  • International Women* Space: Als ich nach Deutschland kam: Gespräche über Vertragsarbeit, Gastarbeit, Flucht, Rassismus und feministische Kämpfe (Schriften der Rosa-Luxemburg-Stiftung), Münster 2019.
  • Pädagogisches Zentrum Aachen e.V. (Hrsg.): Schwarzes Europa. Legenden, die uns verborgen blieben – Schwarze Jugendliche auf den Spuren ihrer Geschichte. Ein Jugendbuch, Münster 2017.
  • Ogette, Tupoka: exit RACISM: Rassismuskritisch denken lernen, Münster 2017.
  • Keskinkılıç, Ozan Zakariya/Langer, Ármin (Hrsg.): Fremdgemacht & reorientiert – jüdisch-muslimische Verflechtungen, Berlin 2018.
  • Baumgarten, Poliana: Dokumentation „Was ist … Rassimsus?“, URL: https://www.youtube.com/watch?v=fqthy8YrmfA [eingesehen am 08.04.2019].
  • DW Deutsch: Afro.Deutschland, URL: https://www.youtube.com/watch?v=VDVLUqqQEa8 [eingesehen am 08.04.2019].
  • Berliner Farben, URL: https://www.youtube.com/channel/UC1CclF29c3s1nT1KrYOIqRQ [eingesehen am 08.04.2019].

 

Quellen:

Arndt, Susan/Ofuatey-Alazard, Nadja (Hrsg.): Wie Rassismus aus Wörtern spricht. (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk, Münster 2011.

Kendi, Ibram X.: Gebrandmarkt. Die wahre Geschichte des Rassismus in Amerika, München 2017.

 

Kontakt:

Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt e.V.

Projekt Entknoten – Beratungsstelle gegen Alltagsrassismus und Diskriminierung

Bernburgerstr. 25a

06108 Halle

Mary Lange

Tel: (03 45) 51 72 02 88

E-Mail: mary.lange@lamsa.de

https://www.alltagsrassismus-entknoten.de/

www.lamsa.de

Trans- und Homofeindlichkeit

Was sind Homo- und Transfeindlichkeit?

Homophobie bezeichnet eine ablehnende oder feindselige Haltung gegenüber homo- und bisexuellen Menschen und ihren Lebensweisen. Diese Feindseligkeit kann auch solchen Menschen gelten, die als homosexuell oder bisexuell wahrgenommen werden, obwohl man nichts über ihre sexuelle Orientierung weiß. Homo- oder Bisexualität ist eine sexuelle Orientierung, die sich darauf bezieht, von welchem Geschlecht oder welchen Geschlechtern sich ein Mensch sexuell, romantisch und/oder emotional angezogen fühlt.

Homophobie hat viele Facetten und Ausdrucksformen: Diskriminierung, Ausgrenzung und Benachteiligung, Beleidigung, Mobbing, Körperverletzung und Sachbeschädigung, Verschwörungstheorien, Hassparolen und Hetzartikel. Erstmals wurde der Begriff 1972 von dem US-amerikanischen Psychologen George Weinberg verwendet. Da es sich bei Homophobie jedoch nicht um eine Phobie im Sinne einer psychischen Angststörung handelt, sondern vielmehr um eine irrationale Aversion, um Ablehnung und Ausgrenzung, ist der Begriff Homo(sexuellen)feindlichkeit zu bevorzugen.

Oft geht Homofeindlichkeit mit Transfeindlichkeit einher. Letztere bezeichnet Vorurteile und Aggressionen gegenüber transgeschlechtlichen, transidenten, transgender oder transsexuellen (zusammengefasst auch: trans*) Personen sowie ihren Lebensweisen und dem Ausdruck ihrer Geschlechtsidentitäten und umfasst ihre gesellschaftliche Diskriminierung. Der größte gemeinsame Nenner aller trans* Menschen ist, dass sie sich dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, nicht zuordnen können oder wollen. Was das für die Einzelnen bedeutet, kann allerdings sehr unterschiedlich sein und spiegelt sich auch in der Vielzahl an Selbstbezeichnungen wieder.

Transfeindlichkeit drückt sich durch Infragestellen oder Aberkennen der Geschlechtsidentität und die sprachliche Unsichtbarmachung, Stigmatisierung, Abwertung sowie Diskriminierung von trans* Menschen bzw. transgeschlechtlichen Lebensformen sowie durch Gewalt ihnen gegenüber aus.

 

Wer mehr über die genannten Begriffe erfahren und sich einen Überblick über weitere Selbstbezeichnungen aus dem Spektrum der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt verschaffen möchte, wird hier fündig: https://queer-lexikon.net/category/queer-lexikon/glossar/ und https://interventionen.dissens.de/materialien/glossar

 

Häufigkeit, Äußerungen und Folgen

Auf der Einstellungsebene äußert sich Homofeindlichkeit z.B. in der Ablehnung von Zuneigungsbekundungen schwuler oder lesbischer Paare in der Öffentlichkeit; sie kann zu sozialer und beruflicher Ausgrenzung oder zu staatlichen Repressionen führen – z.B. indem Homosexualität unter Strafe gestellt wird, wenn Umerziehungsmaßnahmen oder medizinische Therapien angestrengt werden, um Homosexualität zu beseitigen, oder wenn Homosexuelle im schlimmsten Fall sogar getötet werden (wie z.B. während des Nationalsozialismus).

Auch Transfeindlichkeit ist gesellschaftlich weitverbreitet, vor allem aufgrund von geringem Wissen und/oder falschen Annahmen. Unbestritten sind die Auswirkungen von struktureller und individueller Transfeindlichkeit auf das Leben und die Entwicklungschancen von trans* Menschen. Sie äußert sich in ungleichen Chancen bei Bildung und Ausbildung, in Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt, in sozialer Isolation und eingeschränkter gesellschaftlicher Teilhabe sowie in Gewalt. Trans* Kinder und trans* Jugendliche erfahren überdurchschnittlich häufig Mobbing und Ausgrenzung an Schulen und in Ausbildungsstätten, aber auch in ihren Familien.

 

Ursachen

Homo- und transfeindliche Einstellungen beruhen häufig auf tradierten konservativen Vorstellungen von Geschlechterrollen, die durch die Präsenz von Lesben, Schwulen und Trans*Menschen infrage gestellt werden. In der Psychologie wird zudem als ein weiterer Grund angeführt, dass Homosexuellenfeindlichkeit möglicherweise durch die Verdrängung homosexueller Anteile der eigenen Sexualität verursacht werde. So könnten sich Männer dadurch in ihrer Männlichkeit bedroht fühlen und versuchen, diese durch demonstrative Abwertung von offen schwulen Männern wiederherzustellen.

Warum gegenüber Lesben, Schwulen, Bisexuellen oder trans* Personen noch immer große Vorbehalte existieren, hat auch viel mit Unkenntnis zu tun. Viele Menschen kennen Lesben, Schwule und trans* Menschen nicht persönlich. Wer jedoch feststellt, dass eine Freundin lesbisch, ein netter Kollege schwul oder eine freundliche Nachbarin trans* ist, ändert meist seine Einstellung.

Die Ursachen für die Feindlichkeit gegenüber diesen Gruppen haben dieselbe Wurzel: die gesellschaftliche Heteronormativität. Dies ist eine Norm in unserer Gesellschaft, bei der als normal gilt, dass alle Menschen entweder männlich oder weiblich sind, dass sie heterosexuell sind und dass sich die sexuelle Orientierung und die Geschlechtsidentität im Laufe des Lebens nicht ändern. Menschen, die dieser Norm nicht entsprechen, erleben Ausgrenzung und Diskriminierung. Heteronormativität ist dabei als Zwang bzw. Druck zu verstehen, in geschlechtlicher und sexueller Hinsicht nicht „anders“ sein zu dürfen. Sie betrifft alle Menschen, wenn auch nicht alle in gleichem Maße, denn was uns sexuell und geschlechtlich „anders“ macht und wann dieses Anderssein zum Anlass für Diskriminierung wird, hängt sehr vom persönlichen Umfeld und der jeweiligen Gesellschaft ab.

 

Auswirkungen und Schutz

Der Kampf gegen Homo- und Transfeindlichkeit ist eine wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Dazu braucht es neben rechtlichen Regelungen wie Antidiskriminierungsgesetzen und Schutz vor Hate Crime auch eine umfassende gewaltpräventive Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit. Wichtig dabei ist, das heteronormative Wertesystem so zu verändern, dass Schwule, Lesben oder trans* Menschen keine Abweichung von der Norm mehr darstellen, sondern als gleichberechtigter Teil der Gesellschaft akzeptiert werden. Hate Crime oder Hasskriminalität sind politisch motivierte Straftaten, bei denen das Opfer wegen der wirklichen oder zugeschriebenen Zugehörigkeit zu einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe ausgewählt wird. Leider kommt es immer wieder zu Verbrechen, bei denen Menschen körperlich angegriffen werden, weil sie zum Beispiel als schwul, lesbisch oder trans* wahrgenommen werden.

 

Durch Antidiskriminierungsgesetze wurde, ähnlich wie bei der Diskriminierung Behinderter, in den letzten Jahrzehnten zunehmend versucht, der Diskriminierung homosexueller Menschen zumindest auf struktureller Ebene entgegenzuwirken (z.B. durch eine gesetzliche Gleichstellung homosexueller Partnerschaften). In Deutschland schützt außerdem das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vor Diskriminierung auch aufgrund von „sexueller Identität“. Mit sexueller Identität ist sowohl die sexuelle Orientierung als auch die Geschlechtsidentität eines Menschen gemeint. Das AGG bietet in vielen Bereichen die Möglichkeit, Gleichbehandlung einzufordern und gegen diese Diskriminierungen vorzugehen.

Caroline Ausserer, Kim Alexandra Trauen

 

Links:

Akademie Waldschlösschen

Die Akademie Waldschlösschen ist ein Bildungs- und Tagungshaus in der Nähe von Göttingen und eine staatlich anerkannte Heimvolkshochschule in Niedersachsen.

Die Akademie kooperiert in ihrer Bildungsarbeit mit Menschen, Gruppen und Netzwerken, die sich gegen Homo-, Trans- und Interfeindlichkeit, Rassismus und Migrationsfeindlichkeit engagieren. Initiierung und Förderung von Selbsthilfe und Vernetzung zivilgesellschaftlicher Strukturen spielen dabei eine zentrale Rolle. Auch berufsbegleitende Fortbildungen vor allem für Menschen in sozialen Berufen (wie z. B. Arbeit mit Behinderten, Schwulenfeindlichkeit im Sport, Sexualpädagogik der Vielfalt) weist das Programm auf.

www.waldschloesschen.org

 

#Jugend im Waldschlösschen ist der Programmbereich der Akademie Waldschlösschen speziell für junge Menschen:

https://www.waldschloesschen.org/de/jahresuebersicht.html?query=jugend+im+Waldschl%C3%B6sschen

 

Initiativen:

Deutscher Lesben und Schwulenverband

www.lsvd.de

Linkliste mit Aktionsplänen für Vielfalt und Akzeptanz, inklusive nationaler sowie bundeslandspezifischer Aktionspläne zur Bekämpfung von Homo- und Transfeindlichkeit:

https://www.lsvd.de/nc/politik/aktionsplaene-fuer-vielfalt-und-akzeptanz.html

 

Aktionsnetzwerk Enough is Enough! Open your mouth!

https://www.enough-is-enough.eu/

 

Kampagne No Hate Speech

https://no-hate-speech.de/de/

 

Kampagne in Österreich: Stoppt Homo- und Transphobie!

https://homophobie.at/wasisthomophobie/index.html

 

Bündnis gegen Homophobie

https://berlin.lsvd.de/bgh-landingpage/

 

Website der Zentralen Geschäftsstelle für Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes mit Tipps zu Handlungsmöglichkeiten und für Zivilcourage:

https://www.aktion-tu-was.de

 

LesMigras, Antidiskriminierungs- und Antigewaltbereich der Lesbenberatung Berlin e.V. mit Beratungsangeboten bei Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen:

https://www.lesmigras.de/

 

BiNe – Bisexuelles Netzwerk e.V.

https://www.bine.net/

 

Initiative MANEO bietet Hilfe bei homo- und transphober Gewalt

https://www.maneo.de/

Möglichkeit der Meldung eines Gewaltvorfalls: https://www.maneo.de/ueber-maneo/meldestelle/meldung-eines-gewaltvorfalls.html

 

Initiative Gladt e.V. – unabhängige Selbstorganisation von Schwarzen und of Color Lesben, Schwulen, Bisexueller, queerer und Trans*Personen (LSBTQ) und solchen mit Migrationsgeschichte

https://www.gladt.de/

 

Bundesvereinigung Trans* e.V. (BVT*)

www.bv-trans.de

 

Transgender Europe

www.tgeu.org

Projekt von TGEU: TransRespect vs. Transphobia, Transgender Murdering Monitoring https://transrespect.org/en/

 

Umgang mit Hasskommentaren im Netz:

No Hate Speech, ein Projekt der Neuen deutschen Medienmacher*innen

https://no-hate-speech.de/

 

Europa & Recht:

Deutsches Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG):

https://www.gesetze-im-internet.de/agg/index.html

 

Resolution 2048 des Europarats (2015) über die Diskriminierung von trans* Menschen in Europa (auf Englisch):

https://assembly.coe.int/nw/xml/XRef/Xref-XML2HTML-EN.asp?fileid=21736

 

„Bookmarks“ ist das Handbuch des Europarates zur „Bekämpfung von Hate Speech im Internet durch Menschenrechtsbildung“.

https://book.coe.int/eur/en/human-rights-democratic-citizenship-and-interculturalism/6983-pdf-bookmarks-bekampfung-von-hate-speech-im-internet-durch-menschenrechtsbildung.html

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat eine Faktensammlung herausgebracht (auf Englisch). Darin lässt sich nachlesen, welche Fälle von Hate Speech wie und warum bestraft wurden:
https://no-hate-speech.de/de/wissen/

European Commission (2018): Trans and intersex equality rights in Europe – a comparative analysis:
https://ec.europa.eu/newsroom/just/document.cfm?action=display&doc_id=55433

 

Presse:

Robert Kiesel: Mehr als 100 homo- und transfeindliche Straftaten in Berlin, Der Tagesspiegel, 03.11.2018:
https://www.tagesspiegel.de/berlin/queerspiegel/polizei-statistik-fuer-2018-mehr-als-100-homo-und-transfeindliche-straftaten-in-berlin/23352388.html

 

Laura Hofmann: Mehr homofeindliche Übergriffe in Berlin gezählt, Der Tagesspiegel, 15.05.2018:
https://www.tagesspiegel.de/berlin/queerspiegel/neuer-maneo-report-mehr-homofeindliche-uebergriffe-in-berlin-gezaehlt/22253816.html

 

Björn Seeling/Tilmann Warnecke: Berliner Staatsanwälte zu Hasskriminalität: „Schwule Sau? Eine demokratiegefährdende Aussage“, Der Tagesspiegel, 18.07.2016:

https://www.tagesspiegel.de/berlin/berliner-staatsanwaelte-zu-hasskriminalitaet-schwule-sau-eine-demokratiegefaehrdende-aussage/13888486.html

Ulrich Klocke: Homophob? Muss nicht sein, ZEIT Online, 11.02.2014:

https://www.zeit.de/wissen/2014-02/homophobie-ursachen-folgen-akzeptanz/komplettansicht

 

Linus Giese: Transfeindlichkeit im Netz: Der Hass der Anderen, Der Tagesspiegel, 12.02.2018:
https://www.tagesspiegel.de/berlin/queerspiegel/transfeindlichkeit-im-netz-der-hass-der-anderen/20950418.html

 

Blogs/Videos:

Erklärfilm der BpB über Homophobie (2:37 Min.)

https://www.bpb.de/mediathek/197284/homophobie-begegnen

Ashducation (über Transfeindlichkeit):

„Hilfe, ich diskriminiere!“/Transfeindlichkeit

https://hirngefickt.wordpress.com/2015/12/04/hilfe-ich-diskriminiere-transfeindlichkeit/

 

Tariks Genderkrise (über Hasskommentare, 2016):

https://www.youtube.com/watch?v=6WR2MZaewY0

 

Studien:

Jannik Franzen/Arn Sauer: Expertise im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes: Benachteiligung von Trans*Personen, insbesondere im Arbeitsleben, Berlin Dezember 2010

https://www.transinterqueer.org/download/Publikationen/benachteiligung_von_trans_personen_insbesondere_im_arbeitsleben.pdf

 

Claudia Krell: Abschlussbericht der Pilotstudie „Lebenssituationen und Diskriminierungs-erfahrungen von homosexuellen Jugendlichen in Deutschland“, München 2013

https://www.dji.de/fileadmin/user_upload/lebenssituationen_lgbt/Abschlussbericht_Pilotstudie_Lebenssituationen_und_Diskriminierungserfahrungen_von_homosexuellen_Jugendlichen_in_Deutschland.pdf

 

LesMigras/BMFSFJ (2013): Ergebnisse der Studie zu „Gewalt und Mehrfachdiskriminierungserfahrungen von lesbischen, bisexuellen Frauen und Trans*Menschen in Deutschland“:

https://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Downloads/DE/Literatur_Themenjahr_Geschlecht/Kurzinfo_Kampagne_Gewalterfahrungen_LSBTI_lesmigras.html;jsessionid=F5C8D41ACBD5EC39A76F412E61797F63.2_cid340

 

Bundeszentrale für politische Bildung: Wie zeigt sich Homo- und Transphobie? (Unterrichtseinheit) (2016) https://www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/UM_Homophobie_v1%20%28002%29.pdf

 

EU-Grundrechteagentur (2015): Schutz vor Diskriminierung aufgrund der sexuellen Ausrichtung, der Geschlechtsidentität sowie der Geschlechtsmerkmale in der EU – Vergleichende rechtliche Analyse – Aktualisierung 2015:

https://fra.europa.eu/de/publication/2017/schutz-vor-diskriminierung-aufgrund-der-sexuellen-ausrichtung-der

 

EU-Grundrechteagentur (2010): Homophobie, Transphobie und Diskriminierung aufgrund der sexuellen Ausrichtung und der Geschlechtsidentität in den EU-Mitgliedstaaten. Zusammenfassung der Ergebnisse, Entwicklungen, Herausforderungen und vielversprechenden Praktiken:

https://fra.europa.eu/de/publication/2011/homophobie-transphobie-und-diskriminierung-aufgrund-der-sexuellen-ausrichtung-und

 

Sonstiges:

ENOUGH is ENOUGH: Annegret Kramp-Karrenbauer ist Miss Homophobia 2018

https://www.enough-is-enough.eu/

 

Rede Franziska Giffey IDAHOBIT 2018 (Internationaler Tag gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie):
https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/mediathek/internationaler-tag-gegen-homo–und-transfeindlichkeit/123514

 

Sylvia Vogt: Fritz-Karsen-Schule in Britz wird „Schule der Vielfalt“, Der Tagesspiegel, 22.06.2018: https://www.tagesspiegel.de/berlin/queerspiegel/gegen-homo-und-transfeindlichkeit-fritz-karsen-schule-in-britz-wird-schule-der-vielfalt/22726456.html

 

Gedenktage:

  1. Mai IDAHoBIT (International Day Against Homophobia, Transphobia, Biphobia and Interphobia, auf Deutsch: „Internationaler Tag gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie“): https://dayagainsthomophobia.org/
  1. November TDOR (Transgender Day of Remembrance, auf Deutsch: „Gedenktag für die Opfer von Transphobie“): https://tdor.info/

 

Ansprechperson für das Thema Trans- und Homofeindlichkeit:

Kim Alexandra Trau, M.A.

Jugendbildungsreferentin im Programm „Politische Jugendbildung im AdB“

Projekt „Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt (er-)leben – in Ausbildung, Beruf und Alltag“

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